© Rahi Rezvani

In 96 Tagen

Arenakustik Jena | LudoWic

Auf einen Blick

Was für ein Match! Da gibt es diesen wunderschönen Ort in Jena, ein altes Umspannwerk für die Stromversorgung im Damenviertel, das sich mittlerweile längst zum charmanten Innovationslabor für zeitgenössische Kunstformen gemausert hat. Das Industriegebäude und all jene, die es mit Leben füllen, stehen für Transformation. Und dann gibt es da diesen Komponisten, Produzenten und multidisziplinären Künstler, der zu den innovativsten Elektronikkünstlern aus den Niederlanden zählt und eine besondere Vorliebe für analoge Synthesizer auslebt! Es trifft sich, dass eben jener nach Jena kommt: TRAFO und LudoWic. Wenn das nicht passt, wie Stecker und Steckdose?

Worin die Spannung liegt, ist schnell erklärt. Matheus Lodewijk alias LudoWic hat ein besonders exotisches Exemplar aus der Instrumentenkiste gekramt und diesem auch gleich eine herausragende Rolle in seiner Musik zuteilwerden lassen: das Trautonium. Wer diesen ehrwürdigen Vorgänger des modernen Synthesizers noch nicht kennt, muss sich nicht grämen, ein Kennenlernen wurde ja nun arrangiert. Der stufenlose Tongenerator gilt als eines der ersten elektronischen Musikinstrumente der Welt. Wie genau LudoWic das Instrument zum Beben bringt, überspringen wir mal. Nur so viel: Da spielen Widerstandsdraht, Saiten, Kondensator, Thyratron-Röhre und Formantfilter eine Rolle und irgendwie kommt es später zur Zündspannung und Kippschwingung.

Der Sound lässt sich leichter beschreiben, als der Mechanismus: schwebend, cineastisch, fast schon hypnotisch. Gäste berichten nach einem Konzert des niederländischen Künstlers nicht selten von angehaltenem Atem und einem scheinbar unendlichen Gefühl des Fallens. Wie passend, dass sein neues Album HORIZONTAL FALL heißt und genau diesen Moment aufgreift. Es klingt schließlich durchaus wünschenswert, die ganze Zeit zu fallen, ohne dabei auf dem Boden aufzuschlagen. Also fallen wir horizontal. Und während wir das so machen, erleben wir gleich noch ein weiteres Phänomen: Seine Musik klingt nämlich nostalgisch und futuristisch zugleich. Sie verbindet elektronische Musik, Neoklassik, Ambient, Avantgarde und experimenteller Elektronik - Transformation at its best.

Lodewijks erfolgreichen und preisgekrönten Werke finden sich übrigens nicht nur in Filmen, Dokumentarreihen und besonderen audiovisuellen Projekten wieder, sondern dürfen auch im populären Indie-Videospiel Katana ZERO bewundert werden. Es scheint fast, als hätte sich die künstlerische Vision dieses immersiven Klangschöpfers auf wunderbare Weise über uns ausgebreitet. Zeit, zu fallen!

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